Chinesisch - kein Problem!
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Über Chinesisch - kein Problem!

Lernanleitung

Um eine Sprache zu beherrschen, müssen Sie zunächst die wichtigsten Worte lernen - irgendwo muss man ja anfangen. Eine Sprache besteht aber aus mehr als Worten. Zunächst sind da Grammatik, Redewendungen, Betonungen. Eine Sprache ist aber auch untrennbar verbunden mit der zugehörigen Kultur.

Jede Sprache hat ihre Eigenheiten. Für Chinesisch zuerst eine gute Nachricht: die Grammatik ist viel einfacher als in westlichen Sprachen. Es gibt keine Beugung der Verben und keine Konjugation der Substantive. Egal ob sie ein Verb in der Vergangenheitsform, Zukunft, Singular oder Plural verwenden - es ist immer das gleiche Wort. Mehr noch, oft kann das gleiche Wort als Verb, Substantiv oder Adjektiv verwendet werden.

Dafür spielt im Chinesischen die Reihenfolge der Worte im Satz eine viel größere Rolle. Nur dadurch wird oft die Bedeutung bestimmt. Dass die Reihenfolge und Konstruktionsart mancher Sätze grundlegend anders ist, fordert etwas Eingewöhnung. Weiterhin ist der Kontext entscheidend. Oft ist z.B. durch die Gesprächssituation bereits klar, ob eine Aussage Vergangenheit oder Gegenwart betrifft. Wenn nicht, muß dies durch zusätzliche Verben im Satz oder durch eine konkrete Zeitangabe ("gestern", "morgen") angegeben werden.

Im Chinesischen können viele Dinge extrem kurz gesagt werden, wenn durch den Kontext bereits klar ist was gemeint ist. Das ist natürlich nützlich, wenn man noch nicht so viele Worte kennt. Man kann fast alles weglassen, sogar Sätze ohne Verb oder ohne Subjekt sind üblich. Wenn etwas eher "blumig" gesagt werden soll, können die Sätze aber auch sehr lang und kompliziert werden.

Chinesisch gilt aus zwei Gründen als besonders schwierige Sprache: wegen der Betonungen und wegen der Schriftzeichen. Die Betonung ist oft wichtig, um eine Aussage eindeutig zu machen, da ein ansonsten gleich gesprochenes Wort je nach Betonung eine komplett andere Bedeutung hat. Es ist also oft wichtig oder zumindest hilfreich, eine korrekte Betonung anzuwenden. Andererseits haben die Worte selbst mit gleicher Betonung oft noch viele verschiedene Bedeutungen. Was konkret gemeint ist, ergibt sich dann aus dem Kontext. Dank des Kontexts ist die Betonung aber auch nicht ganz so wichtig, wie oft behauptet wird. Das kann man z.B. daran sehen, dass chinesische SMS oft in Lautumschrift OHNE Betonungszeichen geschrieben werden - trotzdem werden sie verstanden. Und wenn Chinesen schnell sprechen oder singen, so lassen sie die korrekte Betonung auch oft weg.

Wenn man jedoch andererseits nicht neutral, sondern komplett falsch betont, wird es schwierig. Dann versteht der Gegenüber oft nicht einmal, dass man überhaupt Chinesisch spricht. Auch ist bei kurzen Aussagen und ohne ausreichenden Kontext die Betonung natürlich wichtiger als in Situationen, wo der Kontext beim Verständnis hilft. Daher sollte man sich durchaus nach Kräften bemühen, die Betonung möglichst gut zu lernen und zu verstehen.

Das Chinesische kennt 4 Töne. Dabei ist nicht die Tonhöhe entscheidend, sondern vielmehr der Tonverlauf bei der Aussprache einer Silbe.
  • 1. Ton: ein relativ hoher, gleichbleibender Ton
  • 2. Ton: auf mittlerer Tonhöhe beginnend ansteigend (etwa wie ein Frageton im Deutschen)
  • 3. Ton: auf mittlerer Tonhöhe beginnend erst fallend, dann wieder ansteigend
  • 4. Ton: auf hoher Tonhöhe beginnend schnell abfallend (etwa wie ein Befehlston im Deutschen)
Außerdem gibt es einen "neutralen Ton", der keine eigene Betonung hat und etwas leiser und kurz gesprochen wird. Daher wird er nicht als eigener Ton angesehen. Aber egal wie man definiert, das Hochchinesische kennt 5 verschiedene Betonungsarten. Dafür ist der Silbenvorrat sehr begrenzt. Wenn man von der Betonung absieht, gibt es nur ca. 400 verschiedene Silben. Mehr als hundert davon beginnen mit einem Zischlaut. Es gibt 9 verschiedene von diesen Zischlauten, so dass neben der Betonung auch die richtige Aussprache der Zischlaute eine Herausforderung ist.

In der Pinyin - Lautumschrift wird der Ton durch ein Zeichen über dem Vokal dargestellt:
  • 1. Ton: ā ē ī ō ū ǖ
  • 2. Ton: á é í ó ú ǘ
  • 3. Ton: ǎ ě ǐ ǒ ǔ ǚ
  • 4. Ton: à è ì ò ù ǜ
  • neutraler Ton: a e i o u ü (kein Betonungszeichen)
Eine ausführliche Übersicht über die möglichen Töne mit Audio finden Sie in der Pinyin-Tabelle.

Die chinesischen Schriftzeichen haben eine ungemein faszinierende Ästhetik. Dennoch sollte man als Chinesisch Lernender ernsthaft erwägen, zunächst nur Sprechen zu lernen. Abgesehen von den Tönen und seiner schieren Fremdartigkeit für uns ist gesprochenes Chinesisch eine sehr einfache Sprache. Wenn man die Hürde genommen hat, die Töne einigermaßen zu verstehen und Grundbegriffe beherrscht, sind im Hörverständnis und - genug Übung vorausgesetzt - auch im aktiven Sprechen rasche Fortschritte möglich. Mit Grammatik braucht man sich nicht abzuplagen, lediglich die Wortstellung ist wichtig. Aber daran gewöhnt man sich leicht, wenn man genug Chinesisch hört (anfangs natürlich mit Übersetzungen). Es gibt dabei keine Grenze, wie viel man pro Tag lernt, das hängt ganz von Zeit und Laune ab. Es ist sehr wünschenswert, nicht mehr als 3 Tage Pause zwischen zwei Lerneinheiten zu lassen, damit das Gelernte ausreichend oft wiederholt wird, bis es den Weg vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis findet. Aber da Hören und Sprechen relativ entspannt ist, lässt sich die Intensität problemlos erhöhen, solange man ein gutes Gefühl dabei hat.

Die Schrift zu lernen ist dagegen immens zeitaufwändig. Die ersten Zeichen muss man hunderte von Malen aufschreiben, bis man sie sich merken kann. Und es bringt nichts, hier mehr als 1-2 Stunden pro Tag zu üben. Der Vorgang kostet Zeit und Kraft und unser Gehirn braucht viele Stimulationen mit dazwischenliegenden Ruhepausen, bis es die ersten der fremden Schriftzeichen dauerhaft aufgenommen hat.Es ist natürlich hilfreich, wenn man mit den Schriftzeichen möglichst viele Dinge assoziieren kann - und da hilft es, wenn die Aussprache schon bekannt ist und man viele Worte und Sätze kennt, in denen das Zeichen vorkommt.

Entscheidend ist auch, die richtige Schreibrichtung und Strichfolge einzuhalten. Dann gelingen die Zeichen von Anfang an viel eleganter und das Lernen geht - relativ gesehen - sehr viel schneller. Dennoch: gerade für die ersten Zeichen ist Geduld gefragt. Zum Trost: je mehr Zeichen man beherrscht, desto schneller geht es, die nächsten Zeichen zu lernen. Es gibt eine relativ kleine Zahl möglicher Striche. Und aus diesen Strichen können ca. 200 sogenannte Radikale gebildet werden, aus denen sich alle Schriftzeichen zusammensetzen lassen. Es gibt hierbei kein durchgängiges System; erst alle Radikale zu lernen wäre also Unfug. Aber es gibt sehr viele Ähnlichkeiten und Zusammenhänge. Schriftzeichen mit ähnlicher Bedeutung haben manchmal auch einen gleichen Radikal. Manchmal gehen solche Ähnlichkeiten auch über die Aussprache oder das Schriftzeichen erinnert gar seiner Form nach an seine Hauptbedeutung. Man kommt also irgendwann an den Punkt, wo man ein neues Schriftzeichen in ein bereits gelerntes System einordnen kann und es sich somit also sehr viel leichter merkt, als wenn man anfangs eine Folge von 7 oder gar 20 Strichen lernen muss.

Neben der richtigen Strichfolge ist es anfangs sehr wichtig, die Schriftzeichen in ein Kästchenraster zu schreiben, üblicherweise werden 3x3 Kästchen verwendet. In unseren Lektionen finden sie vorgedruckte Raster, in denen sie zunächst die Schriftzeichen einfach nachmalen können, wie in einem Ausmalheft. So erhalten Sie ein Gefühl für die Strichführung und für die ästhetische Ausgewogenheit beim Malen eines Zeichens. Die Vordrucke zeigen überdies auch Schritt für Schritt, wie und in welcher Richtung die Striche gemalt werden müssen. Und anschließend sind genug Kästchen vorhanden, in denen Sie die Zeichen ohne Leitlinien, nur mit dem Kästchenraster als Orientierung, üben können. Hier greift auch ein Vorteil der Lektionen in PDF-Form. Sie können die Schriftzeichenübungen beliebig oft ausdrucken, denn am Anfang reicht die vorgedruckte Zahl von Kästchen mit Sicherheit nicht für eine gründliche Übung aus.

Immerhin, sie müssen nicht gleich am Anfang jedes Zeichen perfekt auswendig lernen. Wenn Sie es einigermaßen beherrschen und selbständig ohne Vorlage hinmalen können, lernen Sie einfach weiter und wiederholen Sie es nur gelegentlich (angangs häufiger, dann in größeren Abständen). Die Ähnlichkeit mancher später neu gelernten Zeichen hilft Ihnen, die früher gelernten besser zu verinnerlichen.

Das meiste oben Gesagte folgt aus den Besonderheiten der chinesischen Sprache. Ich möchte aber auch einige Dinge erwähnen, die beim Lernen einer jeden Sprache wichtig sind:
  1. Der richtige Wiederholungsrythmus: neue Elemente müssen anfangs in relativ kurzen Abständen wiederholt werden und dann nach immer längeren Ruhepausen erneut, bis man sie sich für lange Zeit merken kann. Bezogen auf Worte und Satzstrukturen sind solche Wiederholungsrythmen in die Lektionsfolge unseres Sprachkurses bereits eingebaut.
  2. Vokabellernen: nach meinen Erfahrungen ist das völlig unverzichtbar. Es macht nur begrenzt Spaß und daher werden andere Ansätze dankbar aufgenommen. Aber man muss sich von kleinen, überschauberen Elementen (Worte) zu den spannenden und nützlichen Elementen (Phrasen, Sätze, ganze Texte und Dialoge) mit Fleiß vorarbeiten. Wir haben diesen Kurs so gestaltet, dass Sie schnellstmöglich zu erfreulichen Ergebnissen kommen, die Durststrecken nicht zu lang sind und Sie die gesprochene Sprache dank MP3 Playern entspannt, jederzeit und überall lernen können. Aber verzichtet haben wir auf auf Vokabeln nicht und ich suggeriere Ihnen auch nicht, dass das Lernen gewissermaßen ganz von alleine ginge. Schließlich sollen sie nicht nur Spaß haben (wir hoffen aber sehr, dass wir Ihnen welchen bereiten können!), sondern auch tatsächlich Chinesisch lernen.
  3. Häufige Worte zuerst: relativ wenige Worte machen einen hohen Prozentsatz der tatsächlich verwendeten Worte aus, für Schriftzeichen gilt dies gleichermaßen. Die Reihenfolge der Worteinführung in unserem Kurs wurde unter anderem auch nach der Häufigkeit der Worte gewählt, damit Sie möglichst schnell möglichst viel verstehen und sagen können.
Noch ein Wort zu Redewendungen und Denkweisen. Chinesisch hat nicht nur andere Schriftzeichen und Worte als Deutsch. Sicherlich, grundlegende Gedanken sind überall auf der Welt in ähnlicher Weise vorhanden. Auch chinesische Sätze haben z.B. meist ein Subjekt, ein Verb usw. Interessanterweise sind die Worte für Papa und Mama in Chinesisch und Deutsch sogar phonetisch gleich - das ist aber auch fast das einzige Beispiel. Vieles, was uns selbstverständlich erscheint, wird im Chinesischen ganz anders gedacht. Etwa in der Zahlenwelt: wenn wir sagen "zwei Drittel", sagt der Chinese sinngemäß "drei, davon zwei Teile" und statt "20% Rabatt": "auf 8 Zehntel reduziert". Wenn ein Chinese sagt "nicht schlecht", so bedeutet das stets "sehr gut", während es im Deutschen ja oft auch eher ein verhaltenes Lob ist. Im Chinesischen kann man das sogar steigern und sagen "sehr nicht schlecht".

Diese Liste der Unterschiede lässt sich fortsetzen in nichtsprachliche Dimensionen, etwa die viel höhere Bedeutung von Familie und unmittelbare zwischenmenschliche Beziehungen. Unbekannten gegenüber ist man in China meist sehr viel weniger rücksichtsvoll als bei uns, gegenüber Familie und Freunden dafür desto herzlicher und zuverlässiger. Bildung hat einen viel höheren Stellenwert. Chinesen verspotten selten ihre Lehrer, sondern respektieren sie ehrlich. Viele Gesprächssituationen unseres Chinesischkurses verwenden Elemente, die typisch für die chinesische Gedankenwelt sind. Manches mag Ihnen befremdlich, ja lächerlich vorkommen, wenn Sie es aus der Perspektive der deutschen Lebenswirklichkeit deuten. Und natürlich gibt es nicht nur neutrale Unterschiede - manches ist in China besser und manches auch unzweifelhaft weniger gut als bei uns. Trotzdem die herzliche Bitte: lassen Sie sich darauf ein. Sie werden mehr lernen, als schlicht das Gleiche wie sonst zu sagen, nur eben auf Chinesisch.